Mediation2019-01-15T12:24:08+00:00

„Erfolg im Streit besteht nicht darin, den anderen zu besiegen, sondern das zu bekommen, was man braucht.“

Wenn Konflikte das Leben schwer machen …

Manche Konflikte scheinen aussichtslos.

Kein Weg scheint mehr möglich, der/die andere versteht so gar nicht, was ich meine.

In Teams steigern sich gewollt oder ungewollt Spannungen, Spaltungen und Solidarisierungen,

Man ärgert sich schon über Kleinigkeiten, weil man „schon genau weiss, dass der andere das sicher bewusst und mit Absicht macht…!“

Aus meiner Erfahrung sind Konflikte dann am heftigsten, wenn grundlegende Bedürfnisse von uns Menschen im Spiel sind. Und dabei geht es nicht nur um Nahrung und materielle Existenz, dabei geht es auch um psychologische / soziale Bedürfnisse wie Wertschätzung, Zugehörigkeit und Entwicklung.

In einem eskalierenden Konflikt werden solche Grundbedürfnisse fortlaufend neu übergangen und tragen so zur Eigendynamik bei, bis man selbst gar nicht mehr weiß, wie es so weit kommen konnte.

Die eigene Scham, Schuld und Unzufriedenheit mit dem eigenen Verhalten spielt dabei ihre eigene Rolle.

Was uns Menschen eint: Dieselben grundlegenden Bedürfnisse zu haben, macht uns gleichermassen verletztlich, angreifbar, ausnutzbar.

Ein Konflikt ist allerdings nicht per se etwas negatives. Er ist Grundlage jeglicher Entwicklung in einer Gesellschaft, in einer Partnerschaft, in einer Person selbst.

Aber ein Konflikt, der mit falschen, unfairen, abwertenden, verletzenden Mitteln ausgetragen wird, ist destruktiv. Das ist die eigentliche Eskalationsspirale.

Aber wie kann das anders gehen?

Leider wird uns an nur wenigen Orten vermittelt, in welcher Weise Konflikte gut ausgetragen werden können.

Und selbst wenn man es weiss, machen einem die eigenen Emotionen einen Strich durch die Rechnung, weil mit den Gefühl, sich verteidigen zu müssen, das Verständnis und mitgefühl für das Gegenüber ausgehebelt wird. Und spätestens dann ist es hilfreich, einen Dritten, Unbeteiligten einzuschalten. Und wenn dieseR dann noch weiss, welche Wege aus solch einer Eskalation wieder herausführen können, ist Hoffnung berechtigt.

Allerdings kann eine Konfliktklärung oft auch Kraft kosten und schwierig sein. Im allgemeinen aber lässt sich sagen, dass die Energie die man für einen ungeklärten Konflikt bewusst oder unbewusst, in seinen Gedanken oder in seinem Körper fortwährend unnötig aufwendet, um ein vielfaches höher ist.

Jeder gut geklärte Konflikt eröffnet Wege, die vorher oft gar nicht sichtbar waren.

Dazu gibt es verschiedene Verfahren:

Mediation

Mediation ist ein etabliertes, formalisiertes Verfahren der Streitschlichtung, bei dem die Konfliktparteien mit einem Mediator / einer Mediatorin an einem Tisch sitzen. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten in unserer westlichen / nördlichen Welt entwickelt. Dabei werden in bestimmten, gut gewählten Phasen, mithilfe eines „allparteilichen“ Mediators gemeinsame Schritte unternommen, den Konflikt von allen Seiten genauer und tiefer zu betrachten um den verschiedenen Sichtweisen Raum zu geben. So bekommen die Beteiligten wieder neu die Chance, sich in ihrer eigenen Sicht verstanden zu fühlen. Nach einem längeren Prozess, der manches Mal 1-2 Stunden, macnhes Mal aber auch mehrere Termine benötigt, sind die Beteiligten oft bereit und in der Lage gemeinsam nach Lösungen zu suchen, auf die sich beide (dann) wieder einlassen können.

Die Mediation ist inzwischen in Deutschland ein bekanntes und anerkanntes Verfahren. In der Schule werden nach den Grundzügen der Mediation Streitschlichter ausgebildet, und die Justiz fordert inzwischen in manchen Rechtbereichen die Beteiligten dazu auf, vor einer Gerichtsverhandlung zunächst den Weg zum Mediator zu wählen, nicht zuletzt deswegen, weil sich dadurch häufig viel Zeit und Kosten sparen lassen. Für die Beteiligten liegt aber der wesentliche Vorteil darin, dass die Chancen nach einer Mediation wieder auf Augenhöhe und oft sogar wieder wertschätzend miteinander umzugehen, größer ist. Das ist insbesondere dort von großer Bedeutung, wo man auch nach der Auseinandersetzung noch aufeinander angewiesen ist oder zum Beispiel die gemeinsamen Kinder kommunikationsfähige geschiedene Eltern brauchen.

< … rechtlicher Rahmen ! >

Pendel-Diplomatie und Transcend-Konzept

Die Mediation ist nicht die einzige Form der Konfliktbearbeitung.

Wie in der zwischenstaatlichen Konfliktbearbeitung hoch eskalierter Konflikte oft genutzt, kann es auch auf der zwischenmenschlichen Ebene in manchen Fällen sinnvoller sein, mit den beteiligten Parteien zunächst einzelne Gespräche führen. dabei geht es darum, auszuloten und zu verstehen, wo genau die Missverständnisse, Diskrepanzen aber auch Gemeinsamkeiten und Lösungsmöglichkeiten liegen könnten, schon bevor die Beteiligten sich dann an einen Tisch setzten. Dies ist besonders dann hilfreich, wenn keine Bereitschaft vorhanden ist, sich zu begegnen, oder wenn eineR der beiden nicht glaubt, dem anderen auf Augenhöhe begegnen zu können, sei es, weil er sich – trotz Anwesenheit des Vermittlers unterlegen fühlen würde oder weil er nicht daran glaubt, seine Emotionen in einer Begegnung genügend unter Kontrolle halten zu können.

Ein bewährtes Konzept dazu ist die vom norwegischen Friedensforscher J.Galtung entwickelte „Transcend“-Methode.

Konfliktlösungsansätze anderer Kulturen

Da Konflikte so alt und vielfältig sind, wie die Menschheit an sich, haben sich im Laufe der Jahrtausende an vielen Orten zahlreiche Methoden entwickelt, wie mit Konflikten umgegangen werden kann. Viele davon haben sich eher auf kleinere Gruppen wie Stämme oder Großfamilien bezogen, und natürlich sind sie geprägt von den jeweiligen gesellschaftlichen Werte- und Rollentraditionen.

Ein erster großer Aspekt der Konfliktklärung ist ja immer die Frage nach der Ergründung der Wahrheit, wobei hier angemerkt werden darf, dass Wahrheit durchaus auch relativ gesehen werden kann. Also Fragen danach, wer hat die richtige Erinnerung, wer die richtige Wahrnehmung, wer hat angefangen, wer hat wieviele Zeugen und wie glaubwürdig sind sie,… geben kleine Hinweise darauf wie relativ Wahrheiten sein können, ganz abgesehen davon, wer die Macht hat, Einfluss auf andere auszuüben und ob dies in der jeweiligen Gesellschaft legitim ist.

Der zweite wesentliche Aspekt ist der nach dem geeigneten Umgang mit denjenigen, die mitverantwortlich an einem Schaden waren. Hier sind Konzepte von Gerechtigkeit nötig, die einfach klingen abe dirchaus nicht immer sind, und eine Abwägung ob die Gerechtigkeit oder die wiederherzustellende Gemeinschaft, Solidarität und Versöhnun in einer Gruppe wichtiger sind.

Viele der Ansätze die neben der Gerechtigkeit die „Wiedergutmachung“ und das wieder miteiander auskommen in den Vordergrund kann man unter der Begriff „Restorative Justice“ zusammenfassen. Dazu gehören auch Ansätze wie der bei uns bekannte Täter-Opfer-Ausgleich.

Die Vielfalt der Ansätze ist trotzdem enorm, und insbesondere wer sich selbst in unetsrchiedlichen Kulturen dieser Welt bewegt kann durchaus profitieren davon, sich mit anderen Konfliktklärungen, Verhandlungsstrategien, Gerechtigkeitsvorstellungen und Versöhnungsriten zu beschäftigen.

Konflikt-Coaching

In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, nur eine Konfliktpartei zu beraten, welche Möglichkeiten ihr offen stehen könnten, diesen Konflikt für sich oder insgesamt gut zu lösen, so dass die eigenen Bedürfnisse, oder die möglichst aller Beteiligter wieder Raum finden können.

-> Siehe „Konflikt-Coaching“